Körper - & Ich - Wahrnehmung

Warum der Körper mitreden muss:
Berührung, Wahrnehmung und die Wurzeln unseres Erlebens

Wenn wir über uns selbst nachdenken, fangen wir meist im Kopf an. Wir analysieren, verstehen, ordnen ein. Das ist wertvoll, aber es ist nicht die ganze Geschichte. Denn wir lernen nicht zuerst durch Worte. Wir lernen zuerst durch den Körper.

 

Der Körper lernt als erstes

Lange bevor ein Baby sprechen oder denken kann, nimmt es die Welt wahr. Über die Haut. Über Berührung. Über das, was es körperlich spürt.

Schon im Mutterleib reagiert ein ungeborenes Kind auf Berührung. Und in unserer Haut gibt es spezielle Nervenfasern, die genau auf sanftes, liebevolles Streicheln reagieren.

Ihre Signale wandern direkt ins Gehirn, in den Bereich, der für unser Körpergefühl und Selbstempfinden u.a. zuständig ist. Durch regelmäßiges, liebevolles gehalten und gestreichelt werden in der Kindheit bildet sich die Selbstwahrnehmung des Körpers (Interoception) besser heraus.

Gleichzeitig erfüllt Berührung über den Körper eine weitere biologische Notwendigkeit: Ohne sie lernt das Nervensystem eines Kindes nicht, sich zu beruhigen und zu regulieren. Durch den sicheren Hafen der körperlichen Geborgenheit, lernt das biopsychsoziale System des heranwachsenden Menschen sich nach Stress & Aufregung wieder zu entspannen. (biopsychosozial = Gesamtheit biologischer + psychicher + sozialer Aspekte)

Damit ist das körperliche Erleben für die weitere Entwicklung der Persönlichkeit nicht abtrennbar.

Neueste Untersuchungen biopsychologischer deuten darauf hin, dass die verschiedenen Ausprägungen der Bindungsstile (vermeidend & ängstlich) durch frühe Körperkontakt-Erfahrungen zurückzuführen sein könnten. Was bereits festgestellt wurde: Vermeidende Menschen und auch solche mit einem ängstlichen Bindungstypus reagieren in ihrem Erwachsenenalter unterschiedlich auf Berührung.

Hingegen das Stresslevel innerlich bei Menschen mit vermeidendem Bindungsstil anzusteigen scheint, fühlen sich ängstliche Bindungstypen zunehmen wohl.

 

unser Gefühl, >>jemand zu sein<<

Unser Nervensystem verarbeitet fortlaufend zwei Arten von Signalen: was von außen auf uns einwirkt & was in unserem Körperinneren geschieht. Herzschlag, Atmung, Anspannung, das leise Grundrauschen unserer Organe.

Man geht heute davon aus, dass unser Bewusstsein genau aus dem Zusammenspiel dieser beiden Ströme entsteht.

 

Deshalb lassen sich manche Verhaltensweisen nicht durch »Reden & Denken« allein verändern.

Viele Menschen kommen in die Beratung mit dem Gefühl: Ich verstehe eigentlich was los ist. Ich weiß, wo das herkommt. Und trotzdem ändert sich nichts.

Manche Verhaltensmuster und Gefühlsreaktionen wurden zu einem Zeitpunkt eingeschrieben, an dem es noch keine Worte für sie gab. Sie liegen nicht dem bewussten Denken zugänglich vor. Das liegt nicht daran, dass zu wenig nachgedacht wurde. Sondern Sie liegen im Nervensystem, eingeflochten in die Körperprozesse selbst. In der Art, wie Anspannung, Sicherheit oder Rückzug körperlich verankert wurden. Somit besitzt der Körper laut der Systemik seine eigene Intelligenz.

 

Was das für meine Arbeit bedeutet

Deshalb beziehe ich in meiner Beratung den Körper mit ein. Weil das Bild ohne das Körpergefühl nicht vollständig ist.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass wir körperlich arbeiten im Sinne von Anfassen oder Bewegung. Es bedeutet, dass wir gemeinsam darauf achten, was dein Körper dir gerade zeigt: welche Anspannung, welches Gefühl, welche Reaktion auftaucht. Und was das über dich erzählt.

Die Beratungs-Methoden der Systemik sind meist aktiv und gestalterisch. Auch das Gesundheitspsychologische Verständnis vom untrennbaren Zusammenspiel aus Körper & Psyche ist immer Bestandteil meiner Begleitung.

 

Kopf, Herz und Körper gehören zusammen. Genau dort, wo alle drei mitsprechen dürfen, entsteht echte Veränderung. Willst du noch mehr ins Detail eintauchen in die wissenschfatlichen Zusammenhänge der Biopsychologie? Schreibe das gerne in die Kommentare.

Wenn du neugierig bist, wie sich das in einem Gespräch anfühlt – ich freue mich auf dich.
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Dieser Beitrag basiert auf zentralen Erkenntnissen meiner Bachelorarbeit zur affektiven Berührung als Schutzfaktor in der Gesundheitspsychologie.

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Wenn Gedanken allein nicht reichen • Meine Erfahrung beim Mindseed Podcast