Wenn Gedanken allein nicht reichen • Meine Erfahrung beim Mindseed Podcast
Selbstentwicklung • neu gedacht
Am 27. August bin ich spontan nach Köln gefahren. Einladung: Teilnahme an einer Kreisdiskussion zum Thema Selbstentwicklung – als Teil des Mindseed Podcasts von Leon Heimann. Elf Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ein erfahrener Experte, ein offenes Gespräch – und eine tolle Atmosphäre im Studio Schanz in Köln, das mit wunderbarer Verpflegung und einem einladenden Rahmen für genau diese Art von Begegnung gemacht scheint.
Der Experte des Abends war Horst Vogel – seit Jahrzehnten in der Coaching-Szene aktiv, bekannt und respektiert. Leon Heimann hat die Runde moderiert und den Raum für echten Austausch geschaffen. Genau das hat mich daran gereizt.
Was mich bewegt hat
Horst Vogel vertritt die These: Gedanken prägen die Realität eines Menschen – in letzter Instanz. Alles, was einem widerfährt, hat mit dem zu tun, was man selbst zuvor gedacht hat. Demnach löst ,am Probleme auch nur, indem man im Denken Klarheit schafft.
Ich finde das nicht grundsätzlich falsch. Viele Weisheitstraditionen kennen die Idee, dass dem Geist eine besondere Manifestationskraft innewohnt. Im Buddhismus etwa wird beschrieben, wie das Bewusstsein die Wahrnehmung der Wirklichkeit formt. Die Philosophia Perennis – jene universelle Weisheitslehre, die sich durch viele spirituelle Traditionen zieht – spricht davon, dass das Geistige dem Materiellen vorausgeht. Und auch Ken Wilber, einer der bedeutendsten Integralphilosophen unserer Zeit, beschreibt in seiner Integral Theory, dass Bewusstseinsentwicklung echte Auswirkungen auf die erlebte Realität hat.
Welches Denken ist eigentlich gemeint?
Aber hier liegt für mich die entscheidende Differenzierung, die bei Horst Vogel gefehlt hat
Es gibt das Denken, das wir kennen – das Grübeln, Planen, Bewerten, das nie aufhört. Und dann gibt es Momente, in denen man einfach nur da ist. Ruhig. Klar. Ohne dass man aktiv denkt. Viele Menschen kennen das aus der Meditation, aus der Natur, aus tiefen Gesprächen. Genau das meinen Weisheitstraditionen, wenn sie von der Kraft des Geistes sprechen – nicht das rastlose Alltagsdenken, sondern dieses freie, stille Gewahrsein dahinter.
Horst Vogel scheint beides gleichzusetzen, genau hier, zu diesem Thema habe ich mit ihm ein Gespräch führen dürfen.
Wovon ich mich abgrenze
Wenn man sich ausschließlich mit dem konzeptionellen Denken identifiziert, geht etwas verloren: das Sein. Das Ich-bin. Das, was einen Menschen als Menschen ausmacht – jenseits von Kognition und Rationalität.
Horst Vogel betonte im Gespräch mit mir, dass der Körper und seine Wahrnehmung seiner Ansicht nach irrelevant ist. Er beschreibt das Nervensystem als Drahtseile, die nur Informationen leiten. Mehrmals während der Krisdiskussion betonte er, der Mensch sei eine Maschine und müsste nur richtig bedient werden. Auf mich wirkt diese Haltung, einseitig und unvollständig.
Sie widerspricht auch dem, was Traumaforschung und die Biopsychologie zeigen.
Aus Sicht der Gesundheitspsychologie und der Traumaforschung lässt sich das klar belegen: Das Nervensystem speichert. Es lernt. Es reagiert. Frühe Erfahrungen, oft noch vor der Sprache, prägen wie wir Stress erleben, wie wir Nähe und Distanz regulieren, wie wir uns selbst wahrnehmen. Das lässt sich nicht wegdenken.
Wer sagt, Körper und Körperwahrnehmung seien irrelevant, übersieht meiner Meinung nach auch, dass der Mensch einen lebendigen Kern in sich trägt, den Ihn so einzigartig zu unterscheiden mag von Maschinen.
Was im Raum spürbar war
Die Gruppe bestand vor allem aus jungen Frauen – und spürbar war: wir teilen eine andere Weltsicht. Eine, die holistisch denkt. Die in einer Zeit rasanter Digitalisierung nicht weniger Menschlichkeit will, sondern mehr. Die nicht nach noch mehr Leistung und Optimierung sucht, sondern nach echtem Sinnerleben, nach Berührbarkeit, nach Begegnung.
Horst Vogels recht rationalisierter Ansatz – alles entsteht aus der Gedankenebene – traf auf eine Gruppe, die gerade den umgekehrten Weg sucht: zurück zum Körper, zurück zur Intuition, zurück zur menschlichen Verbindung.
Das war kein Konflikt. Aber es war ein sichtbarer Kontrast.
Was ich mitnehme
Es war ein wertvolles Erlebnis, genau wegen dieser Reibung. Weil gute Diskussionen nicht entstehen, wenn alle einer Meinung sind.
Und ich schätze es sehr, dass Formate wie der Mindseed Podcast heute bewusst Raum geben für den fühlbaren, berührbaren, sensiblen Menschen.
Für echte Begegnung. Für das, was keine KI oder Maschine ersetzen kann und wird: dieser Mensch-zu-Mensch-Kontakt, dieses wirkliche Einfühlen, dieses In-Resonanz-gehen.
Das Leistungs- und Erfolgsdenken, das der Rationalisierung innewohnt, der Mensch als Optimierungsprojekt, das ist nicht mehr das Calling der Zeit. Was gefragt ist, ist Mitgefühl. Echte Begegnung. Menschlichkeit, die sich nicht wegdenken lässt.
Den Podcast findest du hier: Mindseed Podcast von Leon Heimann – die Folge erscheint dieses Wochenende.
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